Beobachtungshinweise für November 2011


Das Jahr ist nun bereits weit fortgeschritten und die Tage verkürzen sich immer mehr. Dadurch wird es abends früh dunkel aber leider auch schon recht kühl. Wer trotzdem einen Blick zum Himmel riskiert wird sicherlich belohnt, denn für viele Beobachter zählt die Herbstzeit und der frühe Winter zu der schönsten Beobachtungszeit.

Unsere Beobachtungshinweise für den Monat November bieten diesmal eine Mischung aus verschiedenen Objekten, die mit dem bloßen Auge, dem Fernglas oder mit einem kleinen Teleskop zu beobachten sind. Bevor wir aber mit unserer eigentlichen Tour beginnen gibt es hier noch kurze Hinweise zu den sichtbaren Planeten.

Neben dem Mond sind mit Jupiter und Mars auch zwei Planeten am Nachthimmel vertreten. Jupiter ist im Südosten zwischen den Sternbildern Widder und Walfisch zu finden. Er steht fast die ganze Nacht am Himmel und strahlt heller als alle Sterne in seiner Umgebung. Er ist somit leicht aufzusuchen und man kann mit Hilfe eines Fernglases die Bewegung der Jupitermonde im Laufe einer Nacht verfolgen. Ein kleines Teleskop zeigt bereits die großen Wolkenbänder in der Jupiteratmosphäre.

Mars betritt erst gegen Mitternacht die himmlische Bühne. Er steht dann im Sternbild Löwen tief im Osten und fällt durch seine rötliche Färbung gegenüber den anderen Sternen auf. In einem kleinen Teleskop erscheint Mars bereits scheibenförmig; man benötigt jedoch ein größeres Teleskop um Strukturen auf seiner Oberfläche ausmachen zu können.

 

Übersicht

Himmelsanblick Mitte November gegen 21 Uhr
Grafik erstellt mit dem kostenlosen Programm "Stellarium"

 

Wir beginnen unsere herbstliche Tour am Himmel an einem möglichst dunklen Ort. Blicken wir in südöstlicher Richtung zum Himmel dann fällt ein großes, auf der Spitze stehendes Viereck auf, das sogenannte Herbstviereck. Es wird von den Sternen des Sternbildes Pegasus, dem geflügelten Pferd, gebildet. Der linke Eckstern des Vierecks gehört schon zum angrenzenden Sternbild Andromeda, einer Sternenkette, die sich nach links fortsetzt.

 

Andromeda

Sternbild Andromeda
Grafik erstellt mit dem kostenlosen Programm "Stellarium"

 

Wir gehen nun die Sternenkette der Andromeda nach links entlang und biegen am dritten Stern in der Kette rechtwinklig nach oben ab. Bei einem richtig dunklen Himmel sollte sich dort eine Aufhellung zeigen. Spätestens mit einem Fernglas zeigt sich uns dort ein nebelartiger Fleck.
Es handelt sich dabei um eine ferne Welteninsel, ähnlich wie unsere eigene Milchstraße. Diese Spiralgalaxie wurde nach dem Sternbild Andromeda benannt und ist etwa 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Die Andromedagalaxie ist damit das am weitesten entfernte Objekt, dass mit bloßem Auge gesehen werden kann. Im Objektkatalog des französischen Astronomen Charles Messier trägt sie die Nummer M31.

Anmerkung:
Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Es ist also keine Zeitangabe, wie der Name Lichtjahr vermuten läßt, sondern eine Entfernungsangabe. 1 Lichtjahr entspricht etwa 9,5 Billionen Kilometer.

Folgt man der Sternenkette der Andromeda bis zum Ende trifft man auf den Stern Alamak. Er entpuppt sich im Fernrohr ab 40facher Vergrößerung als ein schöner Doppelstern mit deutlichem Farbunterschied. Er ist 355 Lichtjahre von uns entfernt und besteht aus einem orangefarbigen Überriesen mit einem schwächeren, bläulich erscheinendem Begleiter.

 

Perseus

Von Andromeda zum Sternbild Perseus
Grafik erstellt mit dem kostenlosen Programm "Stellarium"

 

Verlängert man den Verlauf der Sternenkette so trifft man auf den Stern Mirfak, den Hauptstern des Sternbildes Perseus. Unter einem dunklen Himmel vermutet man um ihn herum weitere Sterne, aber erst im Fernglas erkennt man das Gewimmel um Mirfak herum.
In der Tat steht Mirfak mitten in einem offenen Sternhaufen, gebildet aus etwa 50 Mitgliedssternen. Aufgrund seiner Größe ist der Sternhaufen ein ideales Objekt für das Fernglas. Auch dieses Objekt wurde in astronomische Kataloge aufgenommen und trägt die Bezeichnung Mel 20 oder Melotte 20 (Katalog offener Sternhaufen von P.J. Melotte) beziehungsweise Cr 39 oder Collinder 39 (Katalog des Astronomen Per Collinder).

 

Sternhaufen

Sternhaufen im Grenzgebiet zwischen Kassiopeia und Perseus
Grafik erstellt mit dem kostenlosen Programm "Stellarium"

 

Von Mirfak aus setzen wir unsere Wanderung am Himmel in Richtung des Himmels-W oder Kassiopeia fort. Im Grenzgebiet zwischen den beiden Sternbildern findet man wiederum einige nebelhafte Flecken. Wie zuvor bei Melotte 20 handelt es sich auch hier um offene Sternhaufen.

 

Sternhaufen

Sternhaufen im Grenzgebiet zwischen Kassiopeia und Perseus
Grafik erstellt mit dem kostenlosen Programm "Cartes du Ciel / Skychart"

 

Zu den eindrucksvollsten Sternhaufen gehört dabei sicherlich der Doppelsternhaufen h und chi. Die beiden Sternhaufen sind aufgrund ihrer Ausdehnung am Himmel ideale Objekte für die Beobachtung mit einem Fernglas. Betrachtet man h und chi mit einem Fernrohr liegt die Vergrößerung meistens zu hoch und der Doppelsternhaufen verliert seinen Haufencharakter.
Die beiden Sternhaufen stehen in 6800 beziehungsweise 7600 Lichtjahren Entfernung und zeigen ein unterschiedliches Aussehen. h Persei ist etwas heller und zur Mitte hin konzentrierter während chi Persei einen eher verstreuten Anblick bietet. h Persei enthält etwa 200 Sterne, zu chi Persei gehören etwa 150 Sterne.

Etwas oberhalb von h und chi finden wir mit Stock 2 einen weiteren offenen Sternhaufen. Dieser Sternhaufen ist sowohl für das Fernglas als auch für das Fernrohr geeignet. Stock 2 enthält Sternketten, die mit etwas Phantasie an die Figur eines Bodybuilders erinnern. Versuchen Sie doch mal das Muskelmännchen bei etwa 30facher Vergrößerung im Fernrohr zu finden...

 

Kepheus

Sternbild Kepheus
Grafik erstellt mit dem kostenlosen Programm "Stellarium"

 

Für unser letztes Objekt bei dieser Tour müssen wir den Kopf weit in den Nacken nehmen und oberhalb des Sternbildes Kassiopeia nach einem windschiefen Haus suchen. Es handelt sich dabei um das Sternbild Kepheus, dessen fünf Hauptsterne an ein windschiefes Haus erinnern. Suchen Sie nun sozusagen im Keller des Hauses nach einem orangfarbenen oder rötlich erscheinenden Stern. Halbieren Sie dazu die untere Seite des Hauses und gehen Sie eine Fingerbreit zur Seite.

Normalerweise machen sich Hobbyastronomen nicht so viel aus einem einzelnen Stern. Dieser Stern ist aber aus verschiedenen Gründen etwas besonderes und verdient unsere Beachtung. Mü Cephei gehört zu der Klasse der roten Überriesen, dieser Tatsache verdankt er seinen rötlichen Farbton und den Eigennamen Granatstern. Er ist einer der größten Sterne, die man bis jetzt gefunden hat. Der Granatstern ist etwa 2400-mal so groß wie unsere Sonne und 350000-mal so leuchtkräftig. Stünde er an der Stelle unserer Sonne so würde seine Oberfläche weit über die Saturnbahn hinausreichen.

Text von Markus Walter

 

 


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letzte Änderung am 30.10.2011